Inhaltsverzeichnis
Abschrift
Kanalbauleitung
L a d b e r g e n
Ladbergen, den 6. Juni 1946
1.) A k t e n v e r m e r k !
Betrifft:
Niederschrift über die Besichtigung des Glanedurchlasses und anschließende Besprechung der Neubaumassnahmen.
Teilnehmer:
Von seiten des 12. IWT Control Teams:
Major Ashton
Dolmetscher (Sergant Howood)
Von seiten der Aufsichtsstelle des 12. Control Teams in Bielefeld-Windelsbleiche:
Major Porter
Von seiten des Kreises Tecklenburg:
Oberkreisdirektor Weil.
Von seiten der Wasserstraßendirektion Münster:
Oberreg.-u.baurat Goedecke.
Von seiten der Kanalbauleitung Ladbergen:
Reg.Baurat Korsmeier und Baumeister Stengler.
Von seiten der Arbeitsgemeinschaft Hochtief – Büscher:
Bauleiter Quante.
Der Besprechung geht voraus eine B e f a h r u n g d e s G l a n e d u r c h l a s s e s m i t B e s i c h t i g u n g des Durchlassinneren und anschliessende Besichtigung des Ein- und Auslaufs mit Erörterung der baulichen Massnahmen, welche in Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Kanals im Winter 1945/46 durchgeführt wurden. In Zusammenhang damit wurde die Lage des geplanten neuen Durchlasses an Ort und Stelle gezeigt.
Ausgangspunkt der anschliessenden B e s p r e c h u n g im Büro der Kanalbauleitung ist die Erkenntnis von seiten der Vertreter des Control Teams, dass der bestehende Glanedurchlass in keiner Weise als standsicheres und auf die Dauer tragfähiges Bauwerk angesehen werden kann. Ausser der Anerkennung der Dringlichkeit des Durchlassneubaues wurden von den englischen Offizieren Schutzmaßnahmen für den bestehenden Durchlass im Hinblick auf bevorstehende Hochwässer für notwendig gehalten. Da die Bauzeit für den neuen Durchlass mindestens 1 Jahr zu veranschlagen ist, für die Hochwasserperiode eines Winters noch mit dem Zustand des alten Durchlasses gerechnet werden muss, werden von englischer Seite in Übereinstimmung mit den Absichten der Bauverwaltung zunächst gewisse S i c h e r u n g s m a ß n a h m e n für den a l t e n D u r c h l a s s für notwendig befunden: Räumung der Durchlass-Sohle von Sand und Trümmern mit gleichzeitiger Vormauerung einer Betonmauer vor den zerstörten und für Wasserangriffe empfindlichen Mauerteilen, d.h. beiderseits auf ganze Länge. Der Durchlasseinlauf ist durch geeignete Verbauung der Seitenöffnungen so auszubilden, daß das ankommende Hochwasser nicht in die Seitenöffnungen eindringen kann, sondern im geschlossenen Strom der Mittelöffnung zugeleitet wird. Wegen der mangelhaften Haltbarkeit der tragenden Mittelwand muss abschnittsweise mit jeweils wenige meter langen Strecken gearbeitet werden. Die gedachte Ausführung entspricht etwa der anliegenden Darstellung.
Bei grundsätzlicher A n e r k e n n u n g der äussersten D r i n g l i c h k e i t für den D u r c h l a s s n e u b a u befürchten die Vertreter des Control Teams Beeinträchtigung der Schiffahrt und Schwierigkeiten der Baustoffgestellung. Zu dem ersten Punkt wird von Major Ashton die Frage aufgeworfen, ob nicht an Stelle des Vorgehens in 2 getrennten Bauabschnitten mit offener Baugrube und einschiffiger Fahrstrasse die Tunnelbauweise erforderlichenfalls mit entsprechender Tieferlegung des Bauwerks in Form eines Dükers angewandt werden kann. Der Vorschlag wird von den Vertretern der Wasserstrassendirektion und der Arbeitsgemeinschaft als technisch undurchführbar angesprochen, ausserdem wird daraufhingewiesen, daß die Beeinträchtigung der Schiffahrt durch die sogenannte Einengung bedeutungslos ist, da die 20 km beiderseits der Baustelle gelegenen Schleusen Münster und Bevergern in ihrer Leistungsfähigkeit weit unter der der Engstelle liegen.
Die darauf erfolgende Erörterung des B a u s t o f f b e d a r f s erstreckt sich insbesondere auf die kontigentierten Baustoffe wir Stahl, Zement, Holz usw. Von seiten der Wasserstraßendirektion wird betont, dass die Beschaffung dieser Stoffe durch entsprechende frühzeitige und weitgehende Zuweisung der notwendigen Kontigente gewährleistet sein muss.
Der A r b e i t e r b e d a r f wird von seiten der Arbeitsgemeinschaft unter Berücksichtigung des sofortigen zweischichtigen Arbeitsbetriebes mit insgesamt 250 Mann angegeben, von denen etwa 70 Stamm- und Facharbeiter sind und etwa 180 als Hilfsarbeiter neu zugewiesen werden müssen.
Zu der von englischer Seite gestellten Frage nach den erforderlichen B a u g e r ä t e n erklärt Bauleiter Quante, dass sämtliche Baugeräte zur Verfügung ständen und nur hergeschafft werden müssten.
Die B a u z e i t wird auf Befragen mit insgesamt 12 Monaten angegeben. (Für jeden Bauabschnitt 6 Monate).
Die Besprechung schliesst mit dem E r g e b n i s, dass Neubau und Instandsetzung in dem zuvor erörterten Sinne dringlich sind, als solche von den Vertretern des Control Teams anerkannt werden und daß die Entscheidung für die Ausführung umgehend von Windelsbleiche eingeholt werden soll. Die Wasserstraßendirektion ist mit ihren Auftragnehmern gehalten, die Vorbereitungen für einen sofortigen Baubeginn zu treffen.
Fotos des Dokuments
Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, O 103 / Wasser- und Schifffahrtsämter / Wasser- und Schifffahrtsamt Münster, Nr. 1299

