Inhaltsverzeichnis
Abschrift
Gustav
Fiegenbaum
Ladbergen, den 22. August 1945
Ladbergen-Wester 61
durch den Herrn Landrat des Kreises Tecklenburg
T e c k l e n b u r g
Die nachfolgende Angelegenheit möchte ich zur Ihrer Kenntnis bringen und zugleich um Abhilfe bitten.
Bei den schweren Luftangriffen auf den Dortmund-Ems-Kanal während der Zeit vom 23. 9. 1944 bis zum 3. 3. 1945 im Raum der Gemeinde Ladbergen wurden die beiden Glane-Durchlässe mehrmals von schweren Bomben getroffen. Der ältere Durchlaß wurde dabei völlig zertrümmert und das einstürzende Mauerwerk verstopfte fast vollkommen den Abfluß der sich unmittelbar östlich dieses Durchlasses zur Glane vereinenden beiden durch Ladbergen fließenden Bäche.(Aa-Bach und Mühlenbach). Vorausschicken muß ich hier sogleich, daß die Trümmer des eingestürzten Durchlasses bis jetzt noch nicht fortgeräumt wurden.
Infolge der Verstopfung des Glanebettes durch die Trümmer des eingestürzten Durchlasses mußten die beiden vorstehend bereits erwähnten Bäche naturgemäß aus ihren Ufern treten, so daß es zur Überschwemmung von größeren Flächen wertvollen Kulturlandes kam. Die Gesamtgröße des so überschwemmten Kulturlandes wird auf 60 ha geschätzt. Seit dem 1. 1. 1945 steht diese Fläche fast ständig vollkommen unter Wasser, so daß sie als ertragbringende Kulturfläche ganz ausscheidet.
Von dieser vorstehend kurz geschilderten Überschwemmung am meisten betroffen wurde wohl ich persönlich. Meine ca. 400 Meter vom Kanal und am Aa-Bach gelegene landwirtschaftliche Besitzung wurde etwa zur Hälfte überschwemmt. Dazu wurde mein Hof völlig überflutet und das Wasser stieg selbst innerhalb meines Wohnhauses und der Wirtschaftsgebäude über einen Meter an. So mußte ich Haus und Hof verlassen und eine andere Wohnung nehmen. – Nachdem nun das Wasser in den vergangenen Monaten ein wenig gesunken war ist es bei den Niederschlägen der letzten Wochen erneut angestiegen, so daß es gegenwärtig innerhalb des Wohnhauses wieder ca. 0.30 m hoch steht. Von den dadurch entstandenen und noch entstehenden Schäden möchte ich nur den Fußboden erwähnen, der bereits völlig verfault ist.
Auf Grund dieser bedauerlichen Umstände möchte ich dringend bitten, doch dafür Sorge zu tragen, daß die Trümmer des zerstörten Durchlasses möglichst sofort hinweggeräumt werden. Dadurch würde der Abfluß der Glane frei, die Wassermassen könnten abfließen und der Wasserspiegel würde schätzungsweise um 1 Meter sinken. Damit würde auch mein Haus und Hof frei von Wasser und weitere Schäden würden verhütet. Die erforderlichen Maßnahmen müssen aber unverzüglich in die Wege geleitet werden, wenn nicht mein Wohnhaus, das bereits schwer gelitten hat, vollends baufällig werden soll.
Infolge dieser Lage muß ich nochmals dringend um möglichst sofortige Maßnahmen bitten, damit die Trümmer des Durchlasses beseitigt und weitere Wasserschäden verhütet werden.
Gustav Fiegenbaum Ladbergen
Den vorstehenden Ausführungen das Landwirts Gustav Fiegenbaum schließen wir uns an. Wir Unterzeichneten haben durch die geschilderten Überschwemmungen ebenfalls schwere Schäden erlitten, da unsere an den beiden Bächen gelegenen Kulturflächen (Teile unserer Besitzungen) gleichfalls völlig überschwemmt wurden und zur Zeit auch noch vollkommen unter Wasser stehen. So scheiden diese Flächen als Kulturland vollkommen aus und ist der uns dadurch entstandene Schaden recht erheblich.
Wir müssen somit gleichfalls dringend um sofortige Maßnahmen bitten, welche eine Besserung der Lage herbeiführen. Diese Maßnahmen bestehen einzig in der Beseitigung der Trümmer des eingestürzten Durchlasses. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß mit diesen Arbeiten in allernächster Zeit begonnen wird.
Albert Schulte
Ladbergen
Friedr. Strüwe
Ladbergen
H. Berlemann
Ladbergen
E. Budde
Ladbergen
K. Schulze Farwick
Greven
Fr. Kötterheinrich
Ladbergen
F. Hülsmann
Saerbeck
B. Autermann
Saerbeck
Fotos des Dokuments
Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, O 103 / Wasser- und Schifffahrtsämter / Wasser- und Schifffahrtsamt Münster, Nr. 1300

